Es gibt diese merkwürdigen Tage, an denen ich fotografieren möchte und es trotzdem nicht tue. Die Kamera liegt bereit, Ideen sind vorhanden, und eigentlich fehlt es an nichts. Außer vielleicht an diesem einen kleinen Funken, der mich normalerweise nach draußen zieht.
Es ist ein seltsames Gefühl. Die Lust auf Fotografie ist da und irgendwie auch wieder nicht. Ich denke an das Licht, an stille Landschaften und an jene unscheinbaren Dinge, die erst durch einen zweiten Blick ihre Schönheit offenbaren. Aber zwischen diesen Gedanken und dem ersten Schritt nach draußen scheint momentan eine unsichtbare Grenze zu liegen.
Eine fotografische Blockade? Vielleicht. Ich kenne solche Phasen kaum, und gerade deshalb fühlt sich diese so ungewohnt an.
Manchmal frage ich mich, ob wir uns nicht zu sehr daran gewöhnt haben, immer etwas schaffen zu wollen. Ein neues Bild, ein neues Projekt, eine neue Geschichte. Als müsste die eigene Kreativität ständig in Bewegung bleiben. Doch was geschieht, wenn sie für einen Moment stillsteht? Ist das bereits ein Verlust oder vielleicht einfach nur eine Pause?
Während ich darüber nachdenke, bleibe ich an einer älteren Aufnahme hängen. Ein schmaler Zweig mit wenigen rötlichen Blättern. Kleine Wassertropfen ruhen auf ihrer Oberfläche, andere hängen schwer an den Rändern. Dahinter verliert sich die Welt in einer dunklen, beinahe unwirklichen Unschärfe.
Nichts Besonderes, könnte man meinen. Und doch lässt mich dieses Bild nicht los.
Die Tropfen scheinen auf etwas zu warten. Irgendwann werden sie fallen, aber noch halten sie sich fest. Ein flüchtiger Zustand zwischen Stillstand und Bewegung. Zwischen dem, was gerade ist, und dem, was vielleicht gleich geschehen wird.
Vielleicht erkenne ich darin etwas von mir selbst.
Auch meine Fotografie scheint gerade auf etwas zu warten. Auf einen Impuls, einen Augenblick oder dieses vertraute Gefühl, unbedingt hinauszumüssen, weil irgendwo ein Bild darauf wartet, entdeckt zu werden.
Natürlich könnte ich versuchen, diesen Zustand zu überwinden. Mir ein Motiv vornehmen, die Kamera einpacken und einfach losziehen. Aber vielleicht muss nicht jede kreative Pause sofort beendet werden. Vielleicht darf man manchmal auch nur betrachten, ohne gleich etwas festhalten zu wollen.
Denn die Fotografie war für mich nie allein das Sammeln schöner Aufnahmen. Es ging immer auch um das Sehen, um die kleinen Entdeckungen und um diese besondere Verbindung zwischen einem unscheinbaren Motiv und dem eigenen Empfinden.
Und während ich den kleinen Zweig im Dunkeln betrachte, wird mir eines bewusst: Die Freude an der Fotografie ist nicht verschwunden. Sie ist noch da, irgendwo zwischen den Gedanken und den Bildern, die vielleicht erst noch entstehen werden.
Vielleicht ist es wie mit den Wassertropfen. Noch hängen sie still an den Blättern. Aber irgendwann kommt der Moment, in dem sich etwas löst.
Bis dahin darf die Kamera ruhig ein wenig warten.
Kennt ihr solche Phasen auch? Wenn die Lust auf Fotografie eigentlich vorhanden ist, aber der Antrieb fehlt, wirklich loszuziehen?
Ein Kommentar zu „Wenn die Kamera wartet“
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Lieber Dirk,
das ist doch völlig normal. In unserem Alter muss man Gott sei Dank nichts mehr erzwingen. Es läuft besser, wenn man den richtigen Moment abwartet.
Liebe Grüße Horst

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