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Vor dem Sprung

Sprungbrett über ruhigem Wasser bei einer Langzeitbelichtung am Meer mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund

Es gibt diesen kurzen Moment, in dem noch nichts entschieden ist.

Der feste Boden liegt noch unter den Füßen. Vor einem beginnt das Wasser. Dahinter stehen die Berge, teilweise schon mit Schnee bedeckt, und über allem zieht ein schwerer Himmel. Das Sprungbrett führt hinaus und endet.

Als ich diese Langzeitbelichtung an einem Fjord aufgenommen habe, war es genau dieser Gegensatz, der mich beschäftigt hat. Das Sprungbrett wirkt fest und unbeweglich, während Wasser, Wolken und Licht ständig in Veränderung sind.

Vor dem Sprung ist noch alles möglich. Man kann weitergehen. Man kann stehen bleiben. Man kann zurückkehren.

Vielleicht sind solche Augenblicke deshalb so intensiv. Für einen kurzen Moment existieren mehrere Wege gleichzeitig. Erst mit einer Entscheidung wird aus einer Möglichkeit etwas Wirkliches.

Das Bild erzählt für mich genau von diesem kurzen Dazwischen. Das Wasser wirkt durch die lange Belichtungszeit beinahe glatt. Darüber ziehen die Wolken durch den Himmel, während in der Ferne die schneebedeckten Berge ruhig stehen.

Stillstand und Bewegung liegen dicht beieinander. Gerade bei einer Langzeitbelichtung verändert sich meine Wahrnehmung einer Landschaft. Bewegtes Wasser verliert seine Unruhe. Wolken beginnen zu fließen. Dinge, die sich in der Realität ständig verändern, erscheinen plötzlich ruhig und fast zeitlos.

Das Sprungbrett bleibt dagegen klar und fest. Vielleicht verstärkt gerade dieser Gegensatz die Wirkung des Bildes. Es führt hinaus in eine Landschaft, ohne zu zeigen, was danach kommt.

Manchmal erreichen auch wir einen Punkt, an dem das Vertraute endet. Es gibt keine klare Linie mehr, der wir folgen können. Nur den Blick nach vorne und die Frage, ob wir bereit sind, den nächsten Schritt zu machen.

Vielleicht braucht es dafür nicht immer Mut. Manchmal reicht Vertrauen. Das Vertrauen darauf, dass wir nicht alles wissen müssen, bevor wir weitergehen. Und vielleicht ist genau deshalb der Augenblick vor dem Sprung so besonders.

Der Boden trägt noch. Das Unbekannte liegt bereits vor uns.

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