Es gibt Orte in Norwegen, an denen Einsamkeit plötzlich eine andere Bedeutung bekommt.
Auf meiner letzten Fototour war ich viele Stunden in einer nahezu menschenleeren Berglandschaft unterwegs. Keine Häuser, keine Stimmen, niemand am Horizont. Über Stunden begegnete mir keine Menschenseele.
Und genau diese Menschenleere fühlte sich für mich nicht bedrückend an. Sie hatte etwas Befreiendes.
Wenn um einen herum nichts nach Aufmerksamkeit verlangt, verändert sich der Blick.
Ein heller Stein zwischen dunkler Vegetation wird plötzlich wichtig. Eine Wolke, die einen entfernten Berg berührt, reicht aus, um stehen zu bleiben. Kleine Veränderungen im Licht werden sichtbar.
Wenn wenig geschieht, beginnt man wieder genauer hinzusehen.
Vielleicht faszinieren mich solche kargen Landschaften deshalb so sehr. Es braucht kein spektakuläres Motiv. Manchmal reichen wenige Formen, viel Raum und das Gefühl, für einen Moment der einzige Mensch weit und breit zu sein.
Diese Erfahrung beeinflusst auch meine Landschaftsfotografie. In einer menschenleeren Landschaft suche ich anders nach Bildern. Ich muss keine Spuren menschlichen Lebens ausblenden oder auf den richtigen Moment warten. Die Leere gehört bereits zum Ort.
Dadurch bekommen Abstände und freie Flächen im Bild eine größere Bedeutung. Ich möchte diese Räume nicht füllen. Sie dürfen bleiben und etwas von der Weite erzählen, die ich dort selbst erlebt habe.
Auch die dunkle Bearbeitung dieses Bildes soll genau das vermitteln: Weite, Menschenleere und die Schönheit des Wenigen.
Je länger ich dort unterwegs war, desto weniger erschien mir die Landschaft leer.
Vielleicht ist das eines der Dinge, die ich an solchen Orten besonders mag. Nach einigen Stunden verliert die fehlende menschliche Präsenz ihre Bedeutung. Man beginnt stattdessen wahrzunehmen, was tatsächlich da ist.
Wind. Licht. Steine. Wolken. Die eigenen Schritte.
Mehr brauchte es in diesem Moment nicht.
Dieses Bild ist Teil meines Fotoprojekts „Wo wenig geschieht“. Dort erzähle ich mehr über die Tour, die Gedanken hinter dem Projekt und zeige ein Video und weitere Bilder, die in dieser menschenleeren Berglandschaft entstanden sind.


Schön ausgedrückt, Dirk. Ich glaube, ich verstehe, da ich genauso über Arctic Canada denke.
Vielen Dank, Lynette. Das kann ich gut nachvollziehen. Manche Landschaften sprechen eine ähnliche Sprache, auch wenn sie weit voneinander entfernt liegen. Diese Weite, Stille und Einsamkeit scheint es in Arctic Canada sicher auf eine ganz besondere Weise zu geben.
Schön, dass du diesen Gedanken so gut verstehen kannst.
Lieber Dirk,
Ich hab mir gestern Abend Dein Video angesehen und ganz ehrlich, ich habe Dich wirklich um die Einsamkeit, die Freiheit die sich daraus ergibt beneidet. Es ist genau diese Einsamkeit, die schlichte Schönheit der Natur, die uns für die Fülle des Lebens öffnet und uns so viel schenkt. Vielen lieben Dank für‘s Mitnehmen und herzliche Grüße
Daniela
Liebe Daniela, vielen Dank für deine schönen Worte. Genau dieses Gefühl hatte ich dort draußen auch. Diese Einsamkeit war nicht leer oder bedrückend, sondern eher befreiend. Man wird ruhiger, nimmt weniger mit dem Kopf wahr und spürt die Landschaft viel unmittelbarer.
Schön, dass du das im Video so empfinden konntest.
Viele Grüße
Dirk
Amazing landscape.
Thank you very much. It really was an amazing landscape, quiet, wide and almost untouched.