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Der stille Schrei

Es gibt Schreie, die zerreißen die Luft, laut und schrill, doch dieser hier bleibt stumm. Er verharrt in der Dunkelheit, eingefroren zwischen Bewegung und Stillstand. Was wir sehen, sind Münder, weit geöffnet, als ob sie etwas heraufbeschwören wollten, und doch bleibt nur Stille.

Gerade diese Lautlosigkeit wirkt wie ein Zauber. Es ist, als würde die Zeit hier nicht mehr fließen, als hätten die Stimmen ihren Klang verloren und nur die Form des Aufschreis zurückgelassen. Ein Chor ohne Ton, ein Echo ohne Ursprung, geheimnisvoll wie ein Zeichen aus einer anderen Welt.

Der stille Schrei erinnert uns daran, dass Schmerz, Angst und Verzweiflung nicht immer laut sind. Dass es Schreie gibt, die tiefer gehen weil sie sich in die Stille zurückziehen. Es ist eine Stille, die nicht leer ist, sondern erfüllt von etwas Unsichtbarem.

Ich habe mich bewusst für eine Schwarzweiß Aufnahme entschieden. Farbe hätte erklärt, wo keine Erklärung hingehört. In Schwarzweiß wird das Bild zu etwas Archaischem, Entrücktem. Kontraste und Schatten tragen die Bedeutung, sie verstärken die Mystik, sie lassen das Unsagbare deutlicher werden.

So bleibt der stille Schrei wie ein Rätsel. Er erzählt von etwas, das nicht ausgesprochen werden kann. Ein geheimer Gesang, verborgen in der Dunkelheit Hörbar nur für den, der ihn hören will.

14 Gedanken on Der stille Schrei

  1. Verstörend!
    Ich weiß nicht, ob es in Farbe anderes wäre. Aber so dicht gedrängte Mäuler, bedeuten gewiss keine frohe Botschaft!
    Eher so, wenn wir alle uns hilflos fühlen und doch nur zusehen können.

    Liebe Grüße,
    SyntaxiaSophie

    • ja, da ist wirklich etwas Unheimliches in diesem Anblick. Fast so, als ob die Fische im letzten Moment noch etwas sagen wollten.
      Ob Farbe da viel ändern würde? Vielleicht würde es sogar noch schlimmer wirken.
      Deine Interpretation mit dem Gefühl der Hilflosigkeit trifft einen Nerv. Genau dieses kollektive Erstarren, das du beschreibst, spiegelt sich in dem Bild ziemlich eindrucksvoll.
      Herzliche Grüße

    • Thanks for the honesty. I totally get what you mean! They are creepy in their own dried-up way. That contrast is exactly what I found so fascinating when I took the photo. Glad you still liked it!

  2. Oh mein Gott, das Bild und Deine Worte sind mir durch Mark und Bein gegangen und haben mich so erschüttert, dass mir beim Betrachten fast gar die Tränen gekommen sind. Vielleicht interpretiere ich es ja völlig falsch, aber mir ist sofort unser aller Mutter Natur mit all ihren Kreaturen eingefallen. All das Leid das wir ihr oft unbewusst antun, weil wir glauben, dass wir uns über sie stellen könnten und dabei völlig vergessen, dass wir selbst nichts weiter sind als ein winzig kleiner Teil ihrer selbst.

    Traurige aber von Herzen kommende Grüße
    Daniela

    P. S. Ich hoffe die Antwort kommt jetzt nicht doppelt. Hatte sie schon mal verfasst, über deinen Blog aber hatte den Eindruck als hätte das mit dem Absenden nicht geklappt…und irgendwie musste ich das jetzt loswerden, weil es so sehr etwas in mir angerührt hat…

    • Liebe Daniela, deine Worte haben mich sehr berührt. Fast so sehr wie dein Empfinden beim Betrachten meines Bildes. Es ist schön zu lesen, dass die Verbindung zur Natur für dich so tief geht und dass du ihre Verletzlichkeit und zugleich ihre Größe so klar spürst.
      Ich glaube nicht, dass man ein Bild „falsch“ interpretieren kann. Jeder bringt sein eigenes Herz und seine eigenen Gedanken mit hinein. Deine Sichtweise ist für mich eine Bereicherung, und sie zeigt, wie stark uns die Natur in unserer eigenen Zerbrechlichkeit widerspiegelt.
      Danke, dass du diesen Gedanken so offen mit mir geteilt hast.

      Liebe Grüße
      Dirk

      • Ich danke Dir für Deine einfühlsame Rückmeldung, lieber Dirk. Ja, da hast Du wohl vollkommen recht. Wie wir die Welt sehen, wie wir sie wahrnehmen hängt in hohem Maße davon ab wie wir uns selbst wahrnehmen. Letztendlich SIND wir ja nichts anderes als Natur, nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir uns nur ständig darüber bewusst sein könnten, die Welt wäre definitiv eine andere. Wie gut es doch ist immer wieder daran erinnert zu werden.
        In diesem Sinne, hab einen schönen und erfüllten Tag und liebe Grüße
        Daniela

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