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Hinter dem Haus

Es war eine kalte Winternacht. Die Kälte lag klar in der Luft, ohne Wind, ohne Geräusch. Drinnen wartete der Kamin, aber das Feuer musste erst noch gemacht werden. Also ging ich hinaus, um Holz zu holen.
Der Schnee knirschte unter den Schritten. Der Atem stand wie Rauch in der Dunkelheit. Alles war still, so still, dass selbst das eigene Gehen zu laut wirkte.

Und dann war da dieses Licht. Über den Bäumen zog es sich in weichen Schleiern durch den Himmel. Grün, mit einem Hauch von Violett. Kein lautes Leuchten, kein dramatischer Ausbruch. Nur ein ruhiges, fließendes Nordlicht, das sich über den Wald legte.

Ich blieb stehen.
Das Holz vergaß ich für einen Moment.

Es ist merkwürdig mit diesem Licht. Man hat es schon so oft gesehen, und doch hält es einen jedes Mal wieder fest. Nicht immer gleich lange. Nicht immer gleich intensiv. Manchmal schaut man nur kurz hin, nickt innerlich und geht weiter.
Und manchmal bleibt man.

Vielleicht ist es die eigene Stimmung, die entscheidet. Wie offen man gerade ist. Wie viel Stille man zulässt.

An diesem Abend war genug Raum da. Genug Kälte, genug Dunkelheit, genug Ruhe.

Das Nordlicht stand nicht im Mittelpunkt. Es war einfach da. Über mir, über dem Wald, über dem Haus.

Als ich schließlich wieder hineinging, war das Holz noch immer kalt in meinen Händen. Drinnen brannte später das Feuer. Draußen zog das Licht weiter.

4 Gedanken on Hinter dem Haus

  1. wundervoll. leider kam ich noch nie in den genuss. du schreibst so schön, leise und tiefgehend dazu, so schön. ja, es kommt ganz bestimmt auf einen selbst an, wie das licht zu welchem zeitpunkt wirkt, wie weit man es an sich ran oder in sich hineinlässt. 🙂 danke. das foto ist zauberhaft! liebe grüße von diana

    • Liebe Diana! Vielen Dank dir für diese schönen, leisen Zeilen. Es freut mich sehr, wenn Bild und Text dich auf diese Weise erreichen.
      Und ja, das Licht wirkt wohl immer ein wenig anders, je nachdem, wie wir selbst gerade gestimmt sind. Vielleicht kommt ja auch für dich einmal der Moment, in dem du es so erleben kannst.
      Liebe Grüße
      Dirk

  2. Ein schön beschriebener Moment. So kann ich es mir sehr gut vorstellen, da ich es selbst nie erlebte. Eine tolle Stimmung und ein feines Foto dazu. Da könntest du eigentlich schon wieder ein Programmpunkt abhaken und bist dazu nicht einmal weit weg gewesen. 😉

    Liebe Grüße,
    SyntaxiaSophie

    • Liebe Sophie! Vielen Dank dir für deine schönen Worte. Es freut mich sehr, wenn Bild und Beschreibung genug Raum lassen, um sich den Moment vorzustellen auch ohne ihn selbst erlebt zu haben.
      Und ja, manchmal liegt das Besondere näher, als man denkt
      Liebe Grüße
      Dirk

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