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Barcode im Winter

Der Winter legt sich auch über die Stadt. Nicht laut, nicht dramatisch. Er nimmt ihr nur für einen Moment die Geschwindigkeit.

Der “Barcode” in Oslo steht klar am Rand des Wassers. Gläserne Fassaden, Linien, Strukturen. Architektur wie ein Rhythmus aus Licht und Fläche. Tagsüber ist hier Bewegung. Menschen, Verkehr, Geräusche.
Doch in dieser Aufnahme ist davon nichts geblieben.

Die Langzeitbelichtung hat die Bewegung entfernt. Schritte, Wellen, flüchtige Momente. Sie lösen sich auf. Zurück bleibt nur das, was Bestand hat.

Das Wasser wird glatt. Der Himmel wird weich. Die Gebäude stehen ruhig, fast distanziert. Als hätten sie selbst beschlossen, für einen Augenblick zu schweigen. Der Barcode wirkt im Winter anders. Klarer. Strenger. Ohne die Hektik des Tages tritt seine Form stärker hervor.

Es ist interessant, wie sehr sich eine Stadt verändern kann, wenn man ihr Zeit gibt. Nicht mehr das Kommen und Gehen bestimmt das Bild, sondern Struktur, Licht und Linie.

Vielleicht braucht selbst ein Ort wie dieser Momente der Stille. Nicht um sich zu verstecken, sondern um sichtbar zu werden.

8 Gedanken on Barcode im Winter

    • Das ist es für mich auch. Aber woran liegt das? Vielleicht ist der Gegensatz: zum einen ist es ein große Stadt und zum anderen fehlt jede Art der Bewegung. Der Bildausschnitt wirkt wie “tot”. Hinzu kommen persönliche Bindungen zu dem was man sieht. Ich bin dort oft mit meiner Tochter gewesen. Sie hat in Oslo studiert. Nun ist sie fertig und ist aus der Stadt gezogen. Ich komme nicht mehr so oft hin. Dieses bild ist für mich eine stille Erinnerung!
      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Dirk

  1. Ein gut (gestaffelt) aufgebautes Foto finde ich. Dass Menschen darin fehlen, finde ich nur stimmig. Besonders die höheren Häuser im Hintergrund sind m.E. nicht für Menschen, sondern in erster Linie mit gewissen, derzeit modischen architektonischen Showeffekten für Investoren gebaut. Ganz ähnliche Bauten habe ich z.B. in Rotterdam, Den Haag oder anderen niederländischen Großstädten gesehen.
    Auf eine symbolische Ebene gehoben, sagt das Bild einiges über unsere Lebensumstände aus, oder?

    • Vielen Dank für deine ausführliche Betrachtung. Die Abwesenheit von Menschen war bewusst gewählt, weil mich vor allem die Stimmung und die Wirkung des Ortes interessiert haben.
      Die Architektur an sich ist für mich dabei eher Mittel zum Ausdruck als eigentliches Thema. Umso spannender finde ich es, welche symbolischen Ebenen du darin erkennst.

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