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Der Anfang ist leise

Kleine Schneeglöckchen stehen im Wald in einem schmalen Lichtfleck. Das Licht kommt flach von der Seite und hebt die Blüten aus der Dunkelheit hervor. Der Hintergrund bleibt ruhig und weich.

Der Boden ist aufgetaut. Noch nicht überall. Aber hier reicht es. Feuchtigkeit liegt in der Luft. Der Wald wirkt schwer und ruhig. Und mittendrin stehen sie. Klein. Unscheinbar. Die ersten Frühlingsboten.

In anderen Teilen Europas sind sie längst verblüht. Hier beginnen sie gerade erst.
Und genau deshalb fühlt sich dieser Moment anders an. Langsamer. Zurückhaltender.

Das Licht kommt flach von der Seite. Tiefstehend. Warm. Es trifft nicht den ganzen Wald. Nur einen kleinen Bereich. Wie ein Spot. Alles andere bleibt im Dunkeln. Verschwindet. Und plötzlich wird aus etwas Kleinem ein Mittelpunkt.

Ich arbeite hier mit einer festen Brennweite. Offenblende. Das Bild entsteht nicht durch das, was zu sehen ist. Sondern durch das, was verschwindet. Der Hintergrund löst sich auf. Formen werden weich. Unruhe verschwindet.

Was bleibt, ist dieser eine Moment. Still. Fast zerbrechlich.

Für mich ist das der eigentliche Beginn der Fotosaison. Nicht die großen Landschaften. Nicht die weiten Motive. Sondern diese kleinen Zeichen. Licht, das wieder trägt. Boden, der wieder Leben zeigt. Formen, die wieder sichtbar werden.

Ich gehe nicht raus, um etwas zu suchen. Ich gehe raus, um wieder zu sehen. Und manchmal reicht dafür ein kleiner Lichtfleck im Wald. Und ein paar Blumen, die einfach da sind.

12 Gedanken on Der Anfang ist leise

  1. Wie schön tiefsinnig gedacht von dir!
    Diese kleinen Wunder können beglücken, sogar mehr als manches andere, das uns unterwegs auffällt. Ich stelle mir vor, dass gerade dort, wo der Frühling später kommt, diese kleinen Boten noch kostbarer sind. Diese Beleuchtung wirkt wie ein Hinweis: “Schau her und übersieh mich nicht…!” Sehr symbolhaft schön!

    Liebe Grüße,
    SyntaxiaSophie

    • Vielen Dank, Sophie, für deinen schönen und tiefgehenden Kommentar.
      Gerade hier, wo der Frühling etwas später kommt, wirken diese kleinen Zeichen tatsächlich oft noch intensiver. Man nimmt sie bewusster wahr.
      Dieses „Schau her und übersieh mich nicht“ trifft es wirklich sehr gut. Genau solche Momente versuche ich sichtbar zu machen.
      Liebe Grüße und frohe Ostern !
      Dirk

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