Am Horizont sammelt sich das Dunkel, als würde der Himmel selbst einen tiefen Atem holen. Der Wind frischt auf, dreht sich, sucht seinen Weg über das Meer. Etwas in mir regt sich, kein Unbehagen, sondern ein stilles Erwarten.
Bald ist wieder Herbst. Die Zeit, in der das Meer seine sanfte Sommerhaut abstreift und seine wahre Gestalt zeigt. Die Wellen türmen sich, schlagen gegen Felsen und reißen Schaumfetzen in die Luft, die vom Wind wie flüchtige Geister davongetragen werden.
Für mich ist das nicht nur Wetter. Es ist eine Bühne, auf der das Meer und der Himmel ihre dramatischsten Szenen spielen. Jede Welle, die bricht, jeder Schaumwirbel, der tanzt, ist ein Bild, das nur für einen Augenblick existiert. Genau diese Momente suche ich, wenn ich hinausgehe, um zu fotografieren.
Es ist, als ob die Elemente in diesen Tagen ein geheimes Gespräch führen, eines das nur die versteht, die bereit sind im Regen zu stehen, den Salzgeschmack auf den Lippen zu spüren und sich vom Donnern der Brandung durchdringen zu lassen.
Der Herbst ist kein leiser Gast. Er kündigt sich an wie ein alter Freund, den man lange nicht gesehen hat, wild und ungestüm und doch voller Geschichten, die nur er zu erzählen weiß. Und ich stehe bereit, um diese Geschichten in Bildern festzuhalten.
Es ist früh am Morgen, die Sonne steht noch tief und färbt den Himmel in sanfte Töne. Die Luft ist klar, das Meer glatt. Vor mir liegen die Felsen, dunkel und ruhig, als hätten sie seit Jahrhunderten dieselbe Haltung bewahrt.
Bei meiner letzten Fototour sind mir am Anfang viele Erinnerungen durch den Kopf gegangen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich so vieles verändert- Menschen, Orte, Wege, die man gegangen ist. Doch wenn ich an solche Plätze zurückkehre, wie an diesen hier, habe ich das Gefühl, daß alles um mich herum gleich geblieben ist. Der Fels, das Meer, das Licht. Alles steht still auch wenn das eigene Leben es nicht tut.
Fotografisch geht es mir auch hier nicht um Spektakel, sondern um Reduktion. Wenige Elemente, klare Linien, weiche Übergänge. Eine lange Belichtungszeit glättet das Wasser, Blende 18 und niedrige ISO halten jedes Detail fest. Es ist die Ruhe, die ich suche und finde, zwischen Fels und Meer.
Wer wieder tiefer eintauchen möchte, darf sich gern unter diesem Link das Video zu dieser Tour ansehen…
Manchmal weiß man nicht genau, was man sieht. Ist da Ruhe? Oder ist da einfach nichts? Ich stand an diesem Ort, der Wind hatte sich gelegt, das Licht war weich, der Himmel schwer. Vor mir nur ein paar alte Pfosten, raues Gras, ein Abhang. Mehr nicht. Und doch blieb ich stehen.
Was löst ein solches Bild aus? Manche sehen Leere. Andere spüren genau das, was sie vermissen: Stille. Konzentration. Etwas, das bleibt.
Ich selbst sehne mich oft nach Ruhe. Vielleicht ist es gerade deshalb so, dass ich solche Orte als still wahrnehme. Als wohltuend, als klar. Wo andere Leere empfinden, spüre ich oft ein Ankommen. Nicht weil dort nichts ist, sondern weil endlich nichts mehr drängt.
Jede Fotografin, jeder Fotograf nimmt so einen Ort anders wahr. Was für die eine weit und offen ist, wirkt für den anderen verlassen oder schwer. Die Kamera zeigt nie nur, was da ist. Sie zeigt, wie man dort steht. Und mit welchem Blick.
Für mich lag dort Ruhe. Eine, die nicht bequem ist, aber echt. Keine dekorative Stille. Sondern etwas, das sich nicht mehr verteidigen muss.
Die Pfosten standen noch, aber sie hielten nichts mehr. Kein Zaun, keine Grenze. Nur die Erinnerung an eine Ordnung, die einmal da war. Jetzt war nur noch Gegenwart.
Was diese Ruhe verstärkte, war der Abstand zum Wasser. Die Küste lag tief unter mir. Kein Wind, keine Stimmen, keine Brandung. Nur Horizont.
Ich habe das Bild in Schwarzweiß entwickelt. Nicht, um zu dramatisieren. Sondern um zu reduzieren. Das Licht und Schatten durften stehenbleiben. Ruhe entsteht nicht, wenn alles still ist. Sondern wenn nichts mehr kämpfen muss. Und genau das war dieser Ort. Kein Ziel, kein Aufbruch. Nur Sein.
Ist das Leere? Oder genau das Gegenteil? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist echte Ruhe nur möglich, wenn etwas leer werden durfte. Vielleicht ist die Kraft eines Bildes nicht, was es zeigt sondern was es lässt.
Für mich war dieses Bild genau das.
In den vergangenen Tagen war ich wieder unterwegs, auf der Suche nach einem Bild, das mehr ist als nur ein schönes Motiv. FineArt Fotografie bedeutet für mich, nicht nur zu sehen, sondern zu gestalten. Reduziert. Konzentriert. Minimalistisch.
Dieses Mal führte mich der Weg zu einem alten Schiffswrack. Es liegt dort seit Jahrzehnten, schwer, verwittert, verrostet. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, ein solches Motiv festzuhalten?
Ich bin Frühaufsteher aus Überzeugung. Die frische, noch stille Luft am Morgen gibt mir Energie, und das Licht zu dieser Zeit ist oft einzigartig. Doch bei diesem Projekt musste weit mehr stimmen als nur die Tageszeit.
Das Wrack liegt direkt am Ufer. Zu wenig Wasser, und der Vordergrund zeigt nur nassen Sand. Es musste also Flut sein. Gleichzeitig sollte die aufgehende Sonne im Sommer in einem ganz bestimmten Winkel auf den Rumpf treffen, damit die Struktur zur Geltung kommt. Das passiert nur an wenigen Tagen im Jahr, und nur wenn man sehr früh vor Ort ist.
Auch der Himmel musste mitspielen: genug Wolken, um Tiefe zu erzeugen, aber nicht so dicht, dass alles flach und grau wird. Dazu kam ein Anfahrtsweg von vier bis fünf Stunden, inklusive Fähren mit festen Abfahrtszeiten. Spontanität war hier keine Option.
Ich habe diese Bilder ein Jahr lang geplant. Immer wieder überprüft: Gezeitenkalender, Sonnenstand, Wetterprognose. Und dann kam dieser eine Morgen. Alles stimmte. Flut. Struktur im Himmel. Und Licht, weiches, goldenes, klares Licht.
Es war eines der schönsten Morgenlichter, die ich als Hobbyfotograf je erleben durfte.
Solche Bilder entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis aus Planung, Geduld und dem Willen, den Unterschied zu machen. Zwischen einem schnellen Schnappschuss und einem fotografischen Ausdruck, der bleibt.
Wer tiefer eintauchen möchte kann sich das begleitende Video unter dem folgenden Link ansehen.
Die Sonne war noch da. Tief links von mir stand sie am Himmel, kurz vor dem Verschwinden. Und doch empfand ich kein Licht. Ich war erschöpft, der Abstieg hatte begonnen, der Weg war lang, uneben, fordernd. In mir war nicht Klarheit, sondern Schwäche. Ich spürte keine Erleichterung, sondern ein leises Gefühl von Bedrohung, weil ich wusste: Das wird noch dauern. Und es wird Kraft brauchen.
Ich hätte das Bild heller machen können. Die Schatten öffnen, die Felsen deutlicher zeigen, das Licht zurückholen. Aber das wäre nicht ehrlich gewesen. Denn so fühlte es sich nicht an. Ich wollte zeigen, wie dieser Moment für mich war, nicht wie er technisch gewesen ist.
Hätte ich dieses Foto am Anfang der Bergtour gemacht, auf dem Weg nach oben, mit voller Kraft, mit Neugier und innerem Schwung, hätte ich es vermutlich heller entwickelt. Weil das Licht dann auch in mir gewesen wäre. Aber am Ende war es anders. Und so musste das Bild anders werden.
Wie dunkel darf ein Bild sein?
Dunkel genug, um ein Gefühl zu tragen. Dunkel genug, um nicht die Landschaft, sondern die Stimmung zu zeigen.
Ich ließ das Schwarz stehen. Nicht als Stilmittel, sondern als Ausdruck. Denn Fotografie ist nicht nur Technik. Sie ist Entscheidung.
Und manchmal heißt das: Das Licht war da. Aber es kam nicht an.
Ein Bild. Zwei Wasserfälle. Ein Moment in der Natur, festgehalten kurz vor dem Aufgehen der Sonne. Das Licht war weich, zurückhaltend, beinahe scheu. Der Wind war still geworden. Ich stand allein an diesem Ort in der vergangenen Woche, umgeben von Fels und Strömung, und schon im ersten Augenblick wusste ich, dass dies mehr war als nur ein schöner Anblick.
Manche sehen hier vielleicht einfach zwei Wasserfälle, die sich über die dunklen Kanten eines Felsens ergießen. Andere erkennen Symmetrie, Bewegung, Kraft. Einige spüren vielleicht nur die Frische, das Rauschen, das Eintauchen in ein wildes Stück Natur. Doch ich sah etwas anderes. Ich sah zwei Leben. Zwei Wege. Zwei Generationen.
Der eine Strom fällt direkt, kraftvoll, geradeaus. Der andere teilt sich, zerfällt in Linien, zögert fast, tastet sich nach unten. Beide fließen aus derselben Quelle. Und doch sind sie nicht gleich. Beide erreichen denselben Ort. Aber ihr Weg dorthin ist verschieden.
Für mich wurde dieses Bild zu einem Sinnbild für das, was uns prägt und was wir werden. Für Eltern und Kinder. Für Vater und Sohn. Für Menschen, die verbunden sind durch Herkunft, aber sich dennoch auf eigene Weise bewegen. Es erzählt für mich von Nähe, von Abstand, vom Loslassen. Von dem Moment, in dem das, was einmal eins war, seinen eigenen Verlauf nimmt.
Ich habe das Bild später so entwickelt, dass es diese Ruhe in sich trägt. Die Farben sind zurückgenommen, die Helligkeit gedämpft, die dunklen Bereiche bewusst belassen. Nicht um zu dramatisieren, sondern um Raum zu lassen. Für das, was sich zwischen dem Sichtbaren abspielt. Für das, was nicht gesagt werden muss, aber spürbar ist.
Ich wollte nicht zeigen, was dort war. Sondern wie es sich anfühlte. Für mich war es ein stilles Gespräch. Zwischen zwei Wassern. Zwischen zwei Menschen. Zwischen dem, was bleibt, und dem, was geht.
Was siehst du? Ich meine das ernst. Denn für mich beginnt ein Bild nicht mit dem Auslöser, sondern mit dem, was im Innern des Betrachtenden geschieht. Vielleicht denkst du an jemanden. Vielleicht erkennst du dich selbst. Vielleicht bleibst du einfach still, wie ich es damals war.
Wenn du magst, schreib mir, was du siehst. Was du spürst. Was du erkennst. Denn vielleicht ist genau das das Schönste an einem Bild wie diesem, dass es nicht nur eine Wahrheit kennt, sondern viele.
Was du auf dem Bild siehst, war nicht nur ein einzelner Moment. Während ich dort stand, kurz vor Sonnenuntergang, entstand auch ein kurzes Video. Es zeigt, wie ich diesen Ort fotografisch erkundet habe. Still, konzentriert, in mehreren Aufnahmen, die schließlich zu diesem Bild führten. Wenn du magst, kannst du das Video hier ansehen: zum Video
Es gibt Bilder, die nicht laut sind. Sie wirken durch Stille. Dieses hier ist so eines: Ein stilles Meer, ein paar verstreute Felsen, ein Himmel, der kaum zu greifen ist. Nichts drängt sich auf, und doch bleibt der Blick daran hängen.
Reduzierte Bilder lassen Raum für Gedanken, für Gefühl, für Interpretation. Sie beruhigen, laden ein zum Innehalten. Statt viel zu zeigen, zeigen sie nur das Wesentliche. Und genau darin liegt ihre Kraft.
Ein paar warme Steine liegen ruhig im glatten Wasser. Der Himmel darüber ist grau, fast übergangslos. Kaum Kontrast, viel Stille. Nur die Steine geben Halt. Ein Bild, das nicht erklärt sondern offenlässt.
Weniger ist manchmal mehr. Aber nicht immer. Manche Motive brauchen Tiefe, Detail, Dynamik. Reduktion ist kein Dogma. Sie ist eine Entscheidung. Und genau das macht sie spannend.
Das Bild entstand an der Küste, die nicht weit von mir entfernt ist, als Teil einer Serie, in der ich mit unterschiedlichen fotografischen und stilistischen Ansätzen gearbeitet habe: FineArt, Schwarz-Weiß, klassische Landschaft und auch mit bewusstem Minimalismus.
Ich wollte zeigen, wie verschieden ein Ort wirken kann, je nachdem, wie man ihn sieht. Entstanden ist diese Serie während einer frühen Fototour an genau diesem Ort. Begleitet vom weichen Licht der aufgehenden Sonne, vom stillen Rhythmus der Wellen und der fast meditativen Ruhe der Landschaft.
Ich war einmal ein Mensch der Großstadt. Berlin. Straßen voller Stimmen, Sirenen, Partys, Stress, Leben. Nächte, die heller waren als mancher Tag. Die U-Bahn als Pulsader, Asphalt unter den Schuhen, der Geruch von Regen auf heißem Beton. Das war mein Alltag. Mein Lärm. Mein Zuhause.
Heute, 25 Jahre später, stehe ich an der norwegischen Küste. Weit weg vom Takt der Stadt, vom Rufen und Hupen, vom ständigen Müssen. Und doch, manchmal, wenn alles still wird, kommt es zurück. Dieses Heimweh.
Nicht oft. Früher war es häufiger, fast regelmäßig. Jetzt kommt es selten. Aber wenn es kommt, dann ist es wie ein alter Freund, der plötzlich vor der Tür steht und nichts sagt, nur schaut.
So war es auch an diesem Tag. Das Meer lag da, wie gebügelt. Keine Wellen, kein Wind, nur eine flache, silberne Fläche, als hätte die Welt vergessen, sich zu bewegen.
Der Himmel trug ein müdes Blau, und ich spürte dass es genau jetzt wieder da war. Der Moment in dem ich Berlin vermisse.
Ich griff zur Kamera, nicht um mich abzulenken sondern um diesem Gefühl ein Gesicht zu geben.
Mit Blende f/11, ISO 100 und einer Belichtungszeit von 30 Sekunden ließ ich das Bild atmen. Ich wollte die Bewegung beruhigen, das Fließende sichtbar machen. Das Meer wurde weich, der Himmel ein Tuch und die Küste eine Kontur die sich langsam auflöste.
Im Vordergrund lag ein dunkler, vom Wasser verletzter Stein. Gezeichnet von der Zeit. Unverrückbar. Und irgendwie vertraut. Er war das, was ich manchmal selbst bin: Still geworden aber nicht leer. Abgeklärt aber nicht kalt.
Das Bild zeigt keine Geschichte. Aber es trägt eine. Eine, die nicht laut ist aber bleibt.
Heimweh ist für mich kein Ruf nach Rückkehr. Ich will nicht zurück in die Straßen meiner Vergangenheit. Aber manchmal vermisse ich, was ich dort war. Was mich dort umgeben hat. Den Klang der Stadt. Den Geruch der Morgen. Die Geschwindigkeit zwischen zwei Haltestellen.
Und dann stehe ich hier an diesem stillen Meer und spüre beides gleichzeitig, das Fehlen und das Finden. Das Damals und das Jetzt. Und in dieser Spannung entsteht ein Bild, das mehr ist als nur Fotografie.
Es ist ein Echo. Eine Erinnerung. Ein stiller Gruß an das Leben, das ich einmal führte. Und ein Dank an das, das ich heute führe.
Wenn das Meer schweigt, dann kommt nicht nur die Vergangenheit zurück sondern auch die Frage, wer wir geworden sind, seit wir gegangen sind.
Es gibt diese Momente, da scheint alles in Grau getaucht. Der Himmel schwer, das Wasser dunkel, die Berge verlieren ihre Konturen. Ein Unwetter hat die Landschaft im Griff, laut, ungestüm, gnadenlos.
Doch irgendwann bricht selbst der hartnäckigste Sturm auseinander.
Dieses Bild ist genau in so einem Moment entstanden. Die Nacht war wild, die Wolken zogen tief, der Wind peitschte übers Wasser. Und dann plötzlich Stille. Der Himmel reißt auf, als wolle er zeigen, dass es nach jedem Dunkel ein “Danach” gibt.
Die Sonne kämpft sich durch die Risse in den Wolken, ihr Licht trifft die Landschaft mit einer Kraft, die fast vergessen war. Die Berge liegen noch im Schatten, aber ihr Umriss wird wieder sichtbar. Das Wasser trägt das erste Gold des Morgens. Es ist ein Aufatmen, ein stilles Versprechen.
Für mich erzählt dieses Bild von genau diesem Neuanfang. Vom Moment, in dem das Licht zurückkehrt, vorsichtig, aber entschlossen. Es erinnert daran, dass auch nach einer dunklen Zeit wieder Klarheit kommt. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht in kleinen Schritten. Aber sie kommt.
Fotografiert habe ich diese Szene mit kurzer Belichtungszeit, niedriger ISO und leicht geschlossener Blende. Bewusst zurückhaltend, um den Moment so einzufangen, wie er war: roh, ehrlich, kraftvoll. Keine Übertreibung, kein Spektakel. Nur das pure Zusammenspiel von Licht, Schatten und Hoffnung.
Solche Augenblicke zeigen mir immer wieder: Die Natur kennt keine Endgültigkeit. Alles ist im Wandel. Und jedes Ende birgt den Anfang von etwas Neuem.
Es war einer dieser Tage, an denen das Meer rau wirkt und der Himmel schwer auf der Landschaft liegt. Dichte, graue Wolken zogen über die Küste, der Wind spielte unaufhörlich mit dem nassen Sand, und feiner Regen hing noch in der Luft. Kein Wetter für Urlaubspostkarten aber genau das macht diese Momente für mich so besonders.
Zwischen all dem Grau, im endlosen Muster aus Sandkörnern und Spuren, lag sie plötzlich vor mir. Eine einzelne, kleine Feder. Vom Wind zerzaust, vom Regen noch feucht, zart, fast durchscheinend, und doch voller Ausdruck.
Ich habe bewusst mit fester Brennweite von 100 mm gearbeitet, nah dran, konzentriert auf das Wesentliche. Eine kurze Belichtungszeit, um selbst in diesem unsteten Wind einige Details der feinen Struktur scharf zu halten. Geringe ISO. Das Bild sollte sauber bleiben, ruhig, ohne unnötiges Rauschen. Keine Spielerei, kein Zufall. Alles gezielt reduziert auf diesen kleinen, stillen Protagonisten im Sand.
Die Feder steht leicht aufgerichtet, fast so, als würde sie sich dem grauen Himmel entgegenstrecken. Ihre filigranen Spitzen wirken wie zarte Linien, die sich gegen das raue, grobkörnige Muster des Strandes behaupten. Feine Regentropfen haften an ihr –
Überbleibsel des nassen, windigen Tages. Die Farbwelt bleibt dezent.
Gedämpfte Grau- und Blautöne, weich verlaufender Hintergrund, nichts lenkt ab. Genau diese Reduktion erzeugt für mich die melancholische Stimmung, die ich an solchen Tagen liebe. Kein Spektakel, keine Dramatik. Nur ein stiller Moment am Rand der Welt.
Dieses Bild erzählt von Vergänglichkeit. Von den kleinen Dingen, die oft übersehen werden, obwohl sie uns so viel sagen können. Von der Leichtigkeit der Natur, die dennoch Spuren hinterlässt. Und von der Schönheit, die sich gerade dann zeigt, wenn man bei Wind und Wetter unterwegs ist… früh am Morgen, allein, mit offenem Blick für das Unspektakuläre.
Vielleicht ist genau das die wahre Kunst in solchen Momenten: Die leisen Zeichen sehen. Die kleinen Geschichten am Wegesrand. Und trotz aller Melancholie zu merken, dass genau dort oft die größte Schönheit liegt.










