Früh am Morgen, wenn das Licht noch weich ist und der Himmel beginnt, sich zu bewegen, war ich wieder an einem Ort, den ich gut kenne. Die toten Bäume stehen dort wie Skulpturen in der Landschaft, stumm, verwittert, voller Ausdruck.
Diesmal habe ich sie mit Langzeitbelichtung fotografiert. Durch Belichtungszeiten von bis zu 60 Sekunden werden die bewegten Wolken zu weichen Schleiern, der Himmel wird zur Bühne.
Die Bäume bleiben dabei ruhig und klar als Kontrast zur Veränderung über ihnen. Diese Technik erlaubt es mir, mehr als nur einen Moment festzuhalten. Sie macht Zeit sichtbar.
In der Bildbearbeitung habe ich bewusst auf kräftige Farben verzichtet. Stattdessen habe ich mit reduzierten Farbtönen gearbeitet. Fast monochrom, aber nicht vollständig schwarzweiß. So bleibt Raum für Struktur, Form und Licht, ohne dass Farbe vom Motiv ablenkt.
Die Serie ist zurückhaltend, ruhig und konzentriert sich ganz auf das Zusammenspiel von Bewegung und Stillstand. Für mich ist sie ein weiterer Schritt in Richtung FineArt-Landschaftsfotografie, bei der weniger oft mehr ist.
Manchmal liegt die Geschichte direkt vor uns. In Mauerwerk, das dem Wind standhielt, in Steinen, die Erinnerungen tragen. Und manchmal erhebt sich dahinter das Neue: kühl, geometrisch, klar. In Glas und Stahl erzählt die Gegenwart von ihrer eigenen Idee von Zukunft.
Dieses Bild ist kein Zufall. Es entstand an einem bewölkten Tag in Oslo, als das Licht gedämpft war, fast zurückhaltend. Genau dieses Licht ließ die Farben der alten Ziegel leuchten und die moderne Architektur im Hintergrund in ihrer klaren Form erscheinen.
Ich habe mich bewusst dort positioniert, wo die alte Mauer den Blick freigibt auf das Neue. Es ist eine Komposition der Gegensätze aber auch eine der Verbindung.
Alt und Neu treffen sich nicht zufällig. Sie gehören zusammen.
Als Fotograf suche ich oft diese Zwischenräume: Orte, an denen nicht das Motiv laut wird, sondern der Moment dazwischen.
Die Tiefe entsteht nicht im Vordergrund oder Hintergrund, sondern in der Beziehung dazwischen.
In der Stadtlandschaft zeigen sich diese Kontraste überall aber oft nur flüchtig. Wer zu schnell geht, sieht nur das Entweder-oder.
In einer Welt voller Reizüberflutung ziehen mich Orte an, die sich in Zurückhaltung üben. Karge Landschaften, schroff, reduziert, still, bieten mir als Fotograf nicht weniger, sondern mehr. Mehr Raum für Komposition. Mehr Klarheit im Bild. Mehr Tiefe im Ausdruck.
Karge Landschaften wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Doch gerade in ihrer Zurückhaltung liegt ihre fotografische Stärke. Ohne ablenkende Elemente wie üppige Vegetation oder grelle Farben tritt das Wesentliche in den Vordergrund: Formen, Strukturen, Linien und Licht.
Hier kann sich der Blick klären. Jeder Fels, jede Rinne, jeder Schatten erzählt.
Die Leere wird zur Bühne, auf der das Spiel von Licht und Zeit in aller Ruhe stattfinden darf.
In der Schwarzweißfotografie entfalten diese Landschaften eine besondere Kraft: Texturen wirken plastischer, Kontraste intensiver, die Bildaussage direkter. Weitwinkel und Reduktion erzeugen Raum. Nicht nur im Bild, sondern auch im Kopf.
Für mich sind karge Landschaften wie ein stiller Dialog mit der Erde. Unaufgeregt, aber eindringlich. Reduziert, aber voller Tiefe. Und genau das macht sie zu einem perfekten Motiv.
Diese ersten Eindrücke sind nur der Anfang. „Karge Landschaften“ wird für mich mehr als ein fotografisches Thema. Es wird ein Projekt. Eines, das Zeit braucht, Geduld und offene Augen.
Ein stilles Langzeitprojekt, das sich mit jedem Bild weiter entfaltet.
Ich freue mich darauf, diesen Weg zu gehen. Schritt für Schritt, Bild für Bild.
Ein früher Morgen an der mittelnorwegischen Küste. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und tauchte die Umgebung in grelles Licht. Doch tief zwischen den Felsen lag dieser Ort im Schatten. Still, kühl, abgeschirmt vom Tageslicht. Dort, zwischen zwei dunklen Wänden, hatte sich ein massiver Steinblock verkeilt. Unbewegt, als würde er diesen Platz seit Jahrhunderten halten.
Besonders solche Motive ziehen mich schon einige Zeit an. Die FineArt-Fotografie ist für mich gerade ein zentrales Thema. Klar komponierte Bilder, in denen Licht, Form und Atmosphäre im Mittelpunkt stehen. Dieses Motiv passt genau in diesen Ansatz: reduziert, grafisch, voller Spannung.
Durch die Langzeitbelichtung wurde das Wasser zu einer ruhigen Fläche, fast neblig weich. Im Kontrast dazu steht das grobe, feste Gestein. Ein Spiel aus Gegensätzen, das mich immer wieder reizt.
Die Komposition ist bewusst zurückgenommen: der verkeilte Stein als zentrales Element, eingefasst von dunklen Felswänden, geöffnet nach hinten in ein helles Nichts. Eine Szene, die etwas Verschlossenes und zugleich etwas Offenes in sich trägt.
Obwohl das Bild bei starker Sonne entstand, lag das Motiv selbst im weichen, indirekten Licht. Das war ideal, um die feinen Strukturen im Gestein sichtbar zu machen, ohne harte Kontraste. In der Bearbeitung habe ich den Fokus auf eine natürliche Lichtwirkung gelegt. Klar, ruhig, zurückhaltend.
Immer wieder stelle ich mir dieselbe Frage, wenn ich draußen unterwegs bin, besonders in den stillen Momenten zwischen Licht und Dunkel: Soll dieses Bild Farbe tragen oder in Schwarzweiß sprechen?
Beides hat seine Wahrheit. Farbe zeigt, wie das Licht wirklich war: warm, golden, zartrosa oder kühlblau. Sie bringt Nähe, macht ein Bild lebendig. Gerade bei Sonnenauf- und -untergängen ist es oft die Farbe, die uns staunen lässt. Dieses kurze Leuchten, das den Himmel in Flammen setzt.
Aber dann ist da auch das andere. Schwarzweiß.
Es reduziert und zeigt gerade dadurch mehr. Es nimmt dem Bild die Ablenkung und legt den Fokus auf Formen, Linien, Kontraste. Ein Baum steht allein. Der Wind zieht durch. Das Licht spielt über den Stamm. Und alles wirkt zeitlos.
In der Landschaftsfotografie ist Farbe oft Teil des Erlebnisses. Doch Schwarzweiß ist nicht weniger Landschaft. Es ist vielleicht einfach nur eine andere Tiefe. Eine, die mehr fühlt als zeigt.
Wenn ich den Sonnenuntergang farbig fotografiere, erzähle ich vom Licht. Wenn ich ihn in Schwarzweiß zeige, erzähle ich vom Moment dazwischen. Von der Stille, vom Abschied, vom Bleibenden.
Am Ende entscheide ich nicht nur mit dem Auge. Ich entscheide mit dem Bauch. Mit dem, was der Ort mir sagen will.
Und in letzter Zeit sagt er mir immer öfter: Nimm das Farbige fort. Zeig nur, was bleibt. Vielleicht ist es an der Zeit, mehr in Schwarzweiß zu sehen und zu fühlen.
Ein Hobbyfotograf durchläuft im Laufe der Jahre viele Wandlungen.Jede kreative Seele kennt sie: die Schwarzweiß-Phase, die HDR-Zeit, das Spiel mit Dodge & Burn oder den Orton-Effekt, der für einen Moment wie Magie wirkt.
Es ist kein Zeichen von Unentschlossenheit. Es ist ein Teil des Weges. Ein Lernprozess, wie er natürlicher nicht sein könnte. Wie das tanzende Nordlicht am Himmel verändert sich auch der Stil des Fotografen. Immer in Bewegung, immer auf der Suche, bis er eines Tages seine eigene Handschrift gefunden hat.
Das kann Jahre dauern. Und es darf Jahre dauern. Ich fotografiere seit über 20 Jahren. Und ja, ich hatte sogar Phasen, in denen ich die Kamera nur angesehen habe, ohne sie zu benutzen.
Wie beim Blick aus dem Fenster: Wenn man das Nordlicht eine Weile nicht gesehen hat, hat man es nicht vergessen. Man vermisst es. Und irgendwann, ganz plötzlich, ist es wieder da. So ist es auch mit der Fotografie. Irgendwann übersteht man diese stille Phase – und greift wieder zur Kamera. Und in diesem Moment spürt man:Ich fühle Veränderungen.Technik entwickelt sich weiter und auch die Werkzeuge, die wir nutzen, verändern sich. Software, Bearbeitungsprozesse, der eigene Blick auf das Bild.Anfangs sind die Phasen kurz, manchmal sprunghaft. Doch mit der Zeit werden sie ruhiger, tiefer, langsamer – wie ein Fluss, der seinen Lauf gefunden hat.
Und wieder sind wir beim Nordlicht. Was wir auf einem Foto festhalten, ist ein einziger Augenblick. Einen Wimpernschlag später sieht es anders aus. Manchmal noch schöner. Manchmal seltsam, fast surreal. Aber immer echt. Immer da – für einen Moment.
So sind sie, die kreativen Phasen eines Künstlers. Sie kommen, sie leuchten – und sie vergehen.Und mit jedem Licht, das vergeht, entsteht Platz für ein neues – Zeit für Veränderungen.
Am vergangenen Sonnabendmorgen machte ich mich noch vor Sonnenaufgang auf den Weg zur Atlantikküste. Im Vorfeld hatte ich wie immer das Wetter, den Gezeitenstand und das Licht genau geprüft. Mein Ziel: rechtzeitig zur Ebbe vor Ort zu sein. Dort, wo sich das Gestein für kurze Zeit offenbart.
Es war still. Kein Wind, kaum ein Geräusch – nur das ferne, ruhige Atmen des Atlantiks. Als die Sonne aufging, tauchte sie die Küste in warmes Licht. Der Fels begann zu leuchten, Linien und Formen traten hervor wie gezeichnet.
An diesem Tag richtete sich mein Blick ganz auf das Gestein: Gneis, Granit, Schiefer- durch Druck, Hitze und Eis geformt. In ihren Oberflächen finden sich Brüche, Spuren von Gletschern, Verformungen, die von gewaltigen geologischen Prozessen erzählen.
Einige Motive erschließen sich erst aus der Ferne- andere zeigen ihre Schönheit nur in der Nahaufnahme. Ich wechselte zwischen Brennweiten, folgte dem Licht, dem Schatten, der Form. Jeder Moment war still- und zugleich voller Geschichte.
„Strukturen der Küste“ ist eine fotografische Annäherung an die Sprache des Gesteins. Eine Serie über Zeit, Struktur, Wandel – und über die leisen Geschichten, die nur entstehen, wenn alles andere schweigt.
Welcher Hobbyfotograf kennt es nicht? Jahr um Jahr durchstreift man mit der Kamera die Welt, hält Momente fest, erschafft Fotoprojekte, baut Portfolios und füllt Galerien mit Licht und Schatten. Manche präsentieren ihre Werke stolz auf Websites, andere teilen sie auf Instagram oder Facebook, wo sie für einen flüchtigen Augenblick betrachtet, geliked und weitergescrollt werden.
Viele Bilder fügen sich mühelos in eine Kategorie ein, als hätten sie schon immer dort hingehört. Ein nebliger Waldweg, durchbrochen von sanften Sonnenstrahlen – weifellos ein Stück Landschaftsfotografie. Mächtige Fassaden, deren Linien in den Himmel ragen- die Architekturfotografie nimmt sie bereitwillig auf. Szenen aus dem urbanen Leben, flüchtige Blicke, Menschen in Bewegung- Streetfotografie, keine Frage.
Doch dann gibt es diese anderen Bilder. Die Unangepassten, die Undefinierten. Bilder ohne klares Narrativ, ohne offensichtliche Botschaft. Sie gehören nirgends richtig hin – und genau das macht sie besonders. Ein verrosteter Zaun in der Abendsonne, das Schattenspiel eines Fensters auf einer alten Mauer, ein einsamer Handschuh auf einer Parkbank. Keine Serie, keine offensichtliche Verbindung zu einem übergeordneten Thema. Und doch üben sie eine Faszination aus.
Wohin mit diesen Bildern? Die, die im Moment entstanden sind, fast zufällig, aber dennoch von Bedeutung? Die sich nicht greifen lassen, nicht kategorisieren, nicht in eine Galerie zwängen lassen? Vielleicht gehören sie genau dorthin, wo sich die Grenzen auflösen. In eine Sammlung der stillen Geschichten, der Zufallsentdeckungen. In ein Album für das Unvorhersehbare, das Ungeplante – für jene Bilder, die nicht unbedingt sprechen, aber leise flüstern.
Denn manchmal sind es gerade die ziellosen, scheinbar richtungslosen Bilder, die uns am längsten begleiten.
Nach langer Zeit zog es mich endlich wieder hinaus – hinaus aus der Weite der Natur, hinein in das pulsierende Herz der Großstadt. An diesem Wochenende war es soweit: Oslo rief, und ich folgte mit der Kamera in der Hand. Mein Ziel war die Karl Johans Gate, die wohl bekannteste Straße der Stadt, ein Ort, an dem das Leben niemals stillsteht.
Auch an diesem Sonnabend war sie ein „heißes Pflaster“. Menschen strömten durch die Straßen, ein stetiges Kommen und Gehen, Gespräche, Lachen, eilige Schritte. Inmitten dieses Treibens suchte ich nicht die großen Szenen, sondern die kleinen, flüchtigen Momente – jene kurzen, zwischenmenschlichen Augenblicke, in denen sich Geschichten erzählen, ohne ein einziges Wort zu verlieren.
Besonders faszinierten mich die Kontraste – nicht nur in Farbe und Licht, sondern vor allem in sozialer Hinsicht. Die Streetphotography lebt von Spontanität und Flexibilität, von der Kunst, den richtigen Moment zu erahnen, bevor er vorüberzieht.
Meine Ausrüstung war bewusst minimalistisch: Ein 16mm-Objektiv für die Weite und mein treues 24-70mm-Zoom, das diesmal fast ausschließlich zum Einsatz kam. Mehr brauchte es nicht, um die Dynamik, die Vielfalt und die besonderen Stimmungen der Stadt festzuhalten.
Hier kannst du dir das ganze Fotoprojekt etwas genauer ansehen !
Es gibt Orte, die eine besondere Energie ausstrahlen. Orte, an denen die Zeit scheinbar stillsteht. Einer davon ist dieses uralte Hügelgrab aus der Bronzezeit, rund 3000 Jahre alt. Einst diente es als letzte Ruhestätte für eine bedeutende Persönlichkeit oder für mehrere Menschen. Heute liegt es einsam in der Landschaft, gezeichnet von Wind und Wetter, doch immer noch eindrucksvoll.
Der Weg dorthin war kurz, doch die Gedanken weit. Der stürmische Wind rüttelte an meiner Kamera, während ich nach den perfekten Perspektiven suchte. Mein Ziel war es, die Dramatik dieses geschichtsträchtigen Ortes in Bildern einzufangen. Doch der Himmel blieb unerwartet ruhig, nur mit wenigen dunklen Wolken.
Also ließ ich das Wetter für sich sprechen. Durch bewusste Unterbelichtung und eine gezielte Nachbearbeitung verstärkte ich die mystische Atmosphäre. Das Ergebnis sind Bilder, die nicht nur die Landschaft zeigen, sondern auch die Jahrtausende alte Geschichte spürbar machen.










