Manche Wälder wirken, als hätten sie jede Vorstellung von Ordnung längst vergessen.
Bäume stehen dicht beieinander, Äste greifen ineinander, Felsen liegen scheinbar wahllos zwischen Moos und Wurzeln. Altes Holz vergeht langsam am Boden, während daneben bereits neues Leben wächst. Dazwischen sucht sich das Wasser seinen eigenen Weg.
Solche Orte faszinieren mich. Vielleicht auch deshalb, weil wir ihnen immer seltener begegnen. Wäldern, die aussehen dürfen, wie ein Wald aussehen möchte. Ohne aufgeräumte Flächen, ohne gerade Linien, ohne den Eindruck, dass jemand entschieden hat, welcher Baum bleiben darf und welcher nicht.
Wenn ich mit der Kamera in einem solchen Wald stehe, beginnt allerdings eine ganz andere Herausforderung.
Was für das Auge wunderschön wirkt, kann auf einem Foto schnell zu einem einzigen Durcheinander werden. Überall sind Linien, Strukturen und kleine Details. Jeder Ast scheint mit dem nächsten um Aufmerksamkeit zu kämpfen. Helle Blätter liegen neben tiefen Schatten, Baumstämme überschneiden sich und irgendwo dazwischen versucht man, einen ruhigen Bildaufbau zu finden.
Ich muss dem Wald keine Ordnung geben. Ich muss sie entdecken.
Bei diesem Bild war es das Wasser. Der helle Bach führt durch die Dunkelheit, vorbei an den großen Steinen und hinein in den Wald. Plötzlich entstand zwischen all den Stämmen, Felsen und Schatten eine Richtung. Eine kleine Ruhe innerhalb dieses scheinbaren Chaos.
Und auch die Dunkelheit durfte bleiben.
Gerade im Wald habe ich manchmal das Gefühl, dass wir beim Fotografieren zu viel sichtbar machen wollen. Jeder Baum, jede Struktur, jedes Detail soll erkennbar sein. Doch ein Wald besteht auch aus Bereichen, in die kein Licht fällt. Aus Schatten, aus Tiefe und aus Dingen, die sich unserem Blick entziehen.
Diese Dunkelheit gehört für mich genauso zu seiner Schönheit wie das Grün der Blätter oder das helle Wasser des Baches.
Vielleicht macht sie einen natürlichen Wald sogar erst geheimnisvoll.
Wenn man dort eine Weile stehen bleibt, verändert sich die Wahrnehmung. Aus dem anfänglichen Durcheinander entstehen kleine Zusammenhänge. Linien werden sichtbar. Lichtpunkte tauchen auf. Ein Stein bekommt plötzlich Bedeutung. Das Auge beginnt, seinen eigenen Weg durch den Wald zu finden.
Dann wirkt das Chaos irgendwann gar nicht mehr chaotisch.
Vielleicht folgt ein solcher Wald einfach einer Ordnung, die nichts mit unserer Vorstellung von Ordnung zu tun hat.
Und genau das macht ihn so schön.


Ja, die Schönheit der Unordnung ist eine wunderbare Sache. Menschen bemühen sich viel zu sehr, sich durchzusetzen. Schöner Beitrag.
Vielen Dank für deine schönen Worte. „Die Schönheit der Unordnung“ trifft es sehr gut. Gerade in der Natur entsteht oft etwas Besonderes, wenn nichts aufgeräumt oder kontrolliert wirkt. Vielleicht sollten wir Menschen manchmal etwas weniger eingreifen und einfach genauer hinsehen. Schön, dass dir der Beitrag gefallen hat.
A beautiful scene, wow!! ❤️
Thank you so much, John. It really was a beautiful and peaceful scene. I’m glad the feeling of that moment comes through in the image.
Die moosbedeckten Steine im Wald sehen wirklich sehr mystisch aus. Wie in einem Märchenwald.
Danke dir, Nadine.
Ja, genau dieses Märchenhafte hat mich dort auch angesprochen. Die moosbedeckten Steine, das gedämpfte Licht und diese stille Waldatmosphäre hatten wirklich etwas Mystisches. Schön, dass du das im Bild auch so empfindest.