Wenn die Sonne tief steht, verändert sich die Welt. Ein warmes Leuchten legt sich über die Landschaft, Farben werden weicher, Schatten länger, Konturen beginnen zu fließen. Es ist die Zeit der goldenen Stunde, in der selbst das Alltägliche eine besondere Tiefe bekommt.
Dieses Licht hat die Kraft, gewöhnliche Orte zu verwandeln. Ein Strand, eine Wiese oder ein Waldpfad. Alles erhält einen neuen Ausdruck, wenn die Sonne den Himmel vergoldet und den Boden in stilles Glühen taucht.
Das Bild hier entstand an einem Fjord, wo das Wasser die Sonne doppelt sichtbar macht. Einmal hoch am Himmel, ein zweites Mal als Spiegel auf der Erde. Die Berge im Hintergrund verschwimmen in Schichten aus Blau und Grau, während das warme Licht den Moment in ein ruhiges Bild verwandelt.
Gerade jetzt im Herbst zeigt die goldene Stunde eine besondere Intensität. Sie dauert kürzer als im Sommer, aber das Licht wirkt konzentrierter. Farben leuchten wärmer, die Stimmung ist dichter, und jeder Augenblick wird zu einem Geschenk, weil er so schnell vergeht.
Für mich ist die goldene Stunde mehr als nur ein fotografischer Begriff. Sie ist eine Einladung, zu ruhen und genauer hinzusehen. Schönheit offenbart sich im Vergehen, und jeder einzelne Moment trägt einen Zauber in sich, den die Kamera nur für einen Atemzug bewahren kann.
Fotografie beginnt nicht erst im Moment des Auslösens. Sie beginnt viel früher, mit dem Suchen, dem Finden, dem stillen Beobachten. Fotospot Scouting ist der unsichtbare Teil der Arbeit, der oft im Hintergrund bleibt und doch entscheidend ist für die Bilder, die später entstehen.
Ein guter Spot ist mehr als ein Ort. Er ist eine Bühne, auf der das Licht seine Geschichten erzählt. Wer aufbricht, um zu suchen, lernt den Rhythmus des Landes kennen. Wie das erste Morgenlicht durch die Bäume fällt, wie sich der Himmel am Abend färbt, wie Schatten und Formen einander ablösen. Dieses Wissen macht den Unterschied zwischen einem zufälligen Bild und einer bewussten Komposition.
Heute früh stand ich an einem stillen See, umgeben von Wiesen und dunklen Bäumen. Die Sonne war noch zaghaft, der Himmel brannte in zarten Tönen, und ein einzelner Baum ragte wie ein Zeuge in die Stille hinein. Diesen Ort habe ich nicht zufällig gefunden. Er war das Ergebnis von Scouting, von Gehen, Suchen, Sehen.
Solche Orte sind nicht nur für einen Augenblick da. Sie können immer wieder besucht werden, zu jeder Jahreszeit, zu jeder Stunde, bei Sonne, Nebel oder Regen. Jeder Besuch eröffnet eine neue Perspektive, ein anderes Licht, eine frische Geschichte.
Gerade in solchen Momenten wird klar, warum es sich lohnt, früh aufzubrechen und Plätze zu erkunden, noch bevor man die Kamera aufstellt. Ein Ort kann im ersten Licht unscheinbar wirken und sich im nächsten Atemzug in ein schönes Bild verwandeln.
Fotospot Scouting bedeutet, vorbereitet zu sein auf diese flüchtigen Augenblicke. Es ist die stille Grundlage jeder Aufnahme und oft schon der halbe Weg zum fertigen Bild.
Es gibt Orte, an denen das Licht kaum den Boden erreicht. Orte, an denen das Dunkel dichter wird und die Stille wie ein eigener Raum wirkt. Genau dort, verborgen zwischen Moos und Schatten, zeigen sich die Pilze. Kleine Gestalten, die aus der Tiefe der Erde emporsteigen, um für kurze Zeit sichtbar zu werden.
Pilze sind mehr als nur Pflanzenwesen. Sie sind das unsichtbare Netz des Waldes, Verbinder zwischen Leben und Verfall. Im Dunkel des Bodens breiten sich ihre feinen Fäden aus, ein geheimes Reich, das den Kreislauf des Lebens nährt. Was wir an der Oberfläche sehen, ist nur der flüchtige Ausdruck dieser verborgenen Welt, das kurze Aufleuchten einer stillen Präsenz.
In meiner Fotografie suche ich genau diesen Moment. Nicht das grelle Licht des Tages, sondern die Zwischentöne. Die Dunkelheit des Waldes schenkt den Pilzen eine Aura, die sie größer erscheinen lässt, als sie sind. Um diese geheimnisvollen Gewächse sichtbar zu machen, habe ich mit externer Beleuchtung gearbeitet. Dadurch entsteht ein Spiel aus Licht und Schatten, das den Pilzen eine fast überirdische Wirkung verleiht.
Die mystische Fotografie im Wald bedeutet für mich, sich auf diese Stille einzulassen. Weniger Abbild als Gefühl, weniger Dokument als Deutung. Ein Pilz im Moos wird zum Wächter, ein Paar im Schatten zur Zwiesprache, ein einzelnes Leuchten zur Flamme im Dunkel.
Vielleicht liegt gerade darin ihre Magie. Dass sie uns zeigen, wie reich die unscheinbaren Dinge sind. Dass das Kleine, das Verborgene, eine eigene Schönheit trägt. Eine Schönheit, die nur sichtbar wird, wenn man das Dunkel nicht scheut, sondern ihm zuhört.
Auch zu diesen Bildern gibt es ein Video. Wer wieder etwas tiefer in die mystische Welt der Pilze eintauchen möchte, kann sich unter diesem Link den Film ansehen. Viele Spaß!
Wenn der Tag sich neigt, verändert sich das Licht. Die Sonne sinkt, doch bevor sie geht, entfaltet sie ihre ganze Kraft. Strahlen brechen durch die Wolken, als wollten sie den Himmel aufreißen und uns noch ein letztes Geheimnis zuflüstern.
Die Abendsonne ist kein gewöhnliches Licht. Sie ist ein Übergang, ein Schwellenmoment zwischen Tag und Nacht. Sie schenkt der Welt ein Leuchten, das tiefer geht als jede Mittagshelle. Ein warmes, goldenes Licht, das die Landschaft nicht nur erhellt, sondern sie in ein sanftes Glühen taucht.
Für die Fotografie ist dieses Licht ein Geschenk. Konturen werden weicher, Schatten länger, Farben wärmer. Was tagsüber hart und nüchtern wirkt, verwandelt sich im Abendlicht in eine Szene voller Tiefe und Stimmung. Selbst einfache Motive beginnen zu erzählen, weil das warme Licht sie mit Bedeutung füllt.
Dieses Bild entstand in der vergangenen Woche auf einer Bergtour mit meiner Tochter. Gemeinsam standen wir dort oben und sahen, wie sich die Sonne langsam zurückzog und die Landschaft mit ihrer Wärme füllte. Für mich war dieser Augenblick mehr als nur ein Foto. Es war das Teilen eines stillen Wunders.
Die Abendsonne verschwindet schnell, und doch bleibt ihr Nachklang. Im Wasser, im Himmel, im eigenen Inneren. Vielleicht ist das ihr größtes Geschenk. Dass sie uns daran erinnert, wie vergänglich alles ist, und wie schön gerade darin das Wesentliche sichtbar wird.
Still erhebt sich das Gestein, schwarz und schroff. Die Trollwand zeigt sich hier von einer Seite, die nur wenigen Blicken vertraut ist. Kein touristischer Anblick, keine bekannte Postkartenperspektive, sondern der Rücken der Giganten.
Es wirkt, als hätten die Trolle sich hier aufgereiht, erstarrt im Moment zwischen Tag und Nacht. Zacken wie Zähne, Kämme wie Schwerter. Eine Armee aus Stein, die schweigend wacht.
Die Wolken ziehen flüchtig vorbei, doch die Berge bleiben. Zeit verliert an Bedeutung. Alles, was bleibt, ist die Schwere des Felses und die Ahnung, dass diese Welt älter ist als jede Geschichte, die wir uns darüber erzählen.
Dieses Bild entstand in der vergangenen Woche auf einer eindrucksvollen Bergtour. Hoch hinauf, mitten hinein in diese wilde Landschaft. Für mich war dieser Augenblick mehr als ein Foto. Es war, als würde ich durch einen Schleier blicken, hinüber in ein Reich, in dem Stille nicht leer ist, sondern voller Geheimnisse.
Ein Video zu diesem Foto und zu weiteren Bildern dieser Tour findet ihr unter diesem Link.
Es gibt Schreie, die zerreißen die Luft, laut und schrill, doch dieser hier bleibt stumm. Er verharrt in der Dunkelheit, eingefroren zwischen Bewegung und Stillstand. Was wir sehen, sind Münder, weit geöffnet, als ob sie etwas heraufbeschwören wollten, und doch bleibt nur Stille.
Gerade diese Lautlosigkeit wirkt wie ein Zauber. Es ist, als würde die Zeit hier nicht mehr fließen, als hätten die Stimmen ihren Klang verloren und nur die Form des Aufschreis zurückgelassen. Ein Chor ohne Ton, ein Echo ohne Ursprung, geheimnisvoll wie ein Zeichen aus einer anderen Welt.
Der stille Schrei erinnert uns daran, dass Schmerz, Angst und Verzweiflung nicht immer laut sind. Dass es Schreie gibt, die tiefer gehen weil sie sich in die Stille zurückziehen. Es ist eine Stille, die nicht leer ist, sondern erfüllt von etwas Unsichtbarem.
Ich habe mich bewusst für eine Schwarzweiß Aufnahme entschieden. Farbe hätte erklärt, wo keine Erklärung hingehört. In Schwarzweiß wird das Bild zu etwas Archaischem, Entrücktem. Kontraste und Schatten tragen die Bedeutung, sie verstärken die Mystik, sie lassen das Unsagbare deutlicher werden.
So bleibt der stille Schrei wie ein Rätsel. Er erzählt von etwas, das nicht ausgesprochen werden kann. Ein geheimer Gesang, verborgen in der Dunkelheit Hörbar nur für den, der ihn hören will.
Alte, verlassene Häuser haben eine ganz eigene Ausstrahlung. Sie sind nicht nur Bauten aus Holz und Stein, sondern Träger von Geschichten. Wer hier gelebt hat, wer durch diese Türen ging, wer die Fenster öffnete, um die frische Luft hereinzulassen, all das bleibt unausgesprochen, aber spürbar.
Dieses Haus wirkt wie ein Wächter. Es steht auf seinem felsigen Sockel, dunkel und unbeweglich, als wolle es den Blick des Betrachters aushalten. Die leeren Fenster sind wie Augen, die nichts mehr sehen und dennoch alles zu erinnern scheinen.
Besonders in den späten Abendstunden oder in der Nacht entfalten solche Orte ihre ganze Wirkung. Wenn das Licht schwindet, die Schatten tiefer werden und die Umgebung in Stille gehüllt ist, erwacht in diesen Häusern eine Atmosphäre, die man am Tag kaum wahrnimmt. Für die Fotografie bedeutet das eine Einladung, die Dunkelheit zu nutzen und mit ihr zu gestalten.
Auch die kreative Bildbearbeitung trägt dazu bei. Sie verstärkt das, was das Motiv bereits mitbringt, die Spuren der Zeit, die Einsamkeit, das Geheimnisvolle. Durch Zurückhaltung im Licht und bewusste Betonung von Struktur und Schatten entsteht ein Bild, das weit mehr ist als nur ein Haus.
Für manche mag es bedrohlich wirken, für andere melancholisch. Für mich liegt darin eine Art Würde. Verlassene Häuser sind keine toten Orte, sondern stille Zeugen. Sie erinnern daran, dass alles vergeht und dass dennoch etwas bleibt.
Heute möchte ich euch ein weiteres Bild aus meiner Fotoserie „Dystopisch“ vorstellen. Vielleicht kommt es dem einen oder anderen bekannt vor, denn es entstand während einer Sommer-Fototour, bei der ich „das perfekte Licht“ erleben durfte. Auf dieser Tour sind viele spannende Aufnahmen entstanden. Bilder, die im richtigen Moment das Besondere sichtbar gemacht haben. Dieses hier, mit seiner dunklen, bearbeiteten Anmutung, fügt sich nahtlos in meine dystopische Serie ein.
Die Serie „Dystopisch“ lebt von Gegensätzen. Entstanden sind die Aufnahmen oft im hellen Sonnenlicht, manchmal sogar unter wolkenlosem Himmel. Genau dieses harte, klare Licht ist es, das in der späteren Bearbeitung den Raum für Dunkelheit schafft. Aus grellen Tagessstunden wird eine düstere Bildwelt, in der Strukturen sprechen, Schatten wachsen und Formen an Gewicht gewinnen.
Langzeitbelichtungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie lassen Wasser und Himmel zu glatten Flächen verschmelzen, nehmen dem Moment seine Bewegung und geben den Motiven eine fast entrückte, zeitlose Wirkung. So entsteht eine Bühne für das, was mich besonders fasziniert: alte, verfallene Strukturen, Spuren von Korrosion, Relikte, die wie Mahnmale in der Landschaft stehen.
Auch dieses Bild zeigt genau das. Ein massiver, von Rost und Wetter gezeichneter Körper erhebt sich aus dem Wasser. Seine Oberfläche trägt die Spuren der Zeit, seine Form wirkt wie ein Fragment aus einer anderen Welt.
Es ist der Moment, in dem die Sonne sich noch einmal zeigt, bevor sie langsam der Dunkelheit weicht. Das letzte Licht des Tages, das sich zwischen den Gipfeln hindurchkämpft, erinnert daran, dass auch in den dunkleren Zeiten etwas bleibt, das leuchtet. Der Herbst kündigt sich an, und mit ihm verändert sich das Licht. Es wird seltener, weicher, tiefer und genau dadurch so besonders.
In den dunklen Monaten verliert die Landschaft nichts von ihrer Schönheit, sie verwandelt sich. Farben werden intensiver, Kontraste schärfer, die Stimmung dichter. Erst wenn der Winter die Tage ganz verkürzt und die Dunkelheit übernimmt, tritt anderes Licht hervor: Sterne, der Mond, vielleicht sogar das Nordlicht. Ein Schauspiel, das nur in dieser Zeit sichtbar wird.
Für die Fotografie ist das ein Geschenk. Das letzte Licht des Tages, die ersten Strahlen am Morgen, sie tauchen die Landschaft in eine besondere Magie, die es nur in den Übergängen gibt. Deshalb sollte die Kamera auch in den dunklen Monaten niemals ruhen. Jeder Tag, jede Stunde kann ein Bild hervorbringen, das vom Spiel aus Licht und Schatten erzählt, so wie hier, im Moment, bevor das Licht endgültig geht.
Eine einzelne Blüte, leicht geneigt, noch voller Tropfen vom Nebel, zeigt, daß Zartheit nicht gleichbedeutend mit Schwäche ist. Gerade in ihrer Fragilität liegt eine stille Kraft, die mehr erzählt als jedes imposante Bergmassiv.
Diese Glockenblume steht im Nebel wie ein kleines Zeichen von Durchhalten, ein Symbol dafür, daß auch im Unscheinbaren Schönheit wohnt. Sie hebt sich mit ihrem leisen Violett vom grauen Hintergrund ab, fast so, als wollte sie sagen: Ich bin noch hier, auch wenn die Welt ringsum verschwimmt.
Für mich ist es genau diese Art von Wahrnehmung, die Fotografie so besonders macht. Das Entdecken des Kleinen im Großen, des Stillen im Rauschen. Dieses Bild entstand im vergangenen Herbst, auf einem Gebirgspass, an einem kühlen und feuchten Tag. Vielleicht ist es genau das, was es in mir jetzt auslöst: eine wachsende Vorfreude auf den kommenden Herbst, auf Nebel, Regen und jene stillen Augenblicke, in denen sich Zartheit und Kraft so unerwartet begegnen.










